Kognitive Fähigkeit #5: Gewohnheit

„Wir sind das, was wir wiederholt tun. Außergewöhnliche Leistungen sind dann kein Aufwand, sondern eine Gewohnheit.“ (Aristoteles)

Unser Leben ist bestimmt durch unsere Gewohnheiten. 90 Prozent all unserer Gedanken und Handlungen basieren auf Routinen.
Doch was ist eine Gewohnheit überhaupt? Welche Arten gibt es? Und wie können wir tief in uns verwurzelte Gewohnheiten loswerden und neue in unser Leben implementieren? All das erfährst du in diesem neuen Artikel über die kognitive Fähigkeit der „Gewohnheit“. Viel Spaß!


Was sind Gewohnheiten?

Gewohnheiten sind wiederholte, fest in uns verwurzelte Gedanken, Gefühle und Handlungen, die ohne großes Nachdenken völlig automatisch und unbewusst von unserem Körper ausgeführt werden. Dabei erfordern sie keinerlei Willenskraft oder Aufmerksamkeit von unserem Bewusstsein.

Die meisten unserer Gewohnheiten sind früh in unserer Kindheit entstanden und wurden über die vielen Jahre hinweg in Form von neuralen Netzen fest in unserem Gehirn verankert. Sie sind nicht leicht zu ändern, da sie ein Teil unseres Charakters geworden sind.

Vorwiegend haben Gewohnheiten den Zweck unser Leben zu erleichtern, indem sie uns ermöglichen uns voll und ganz auf unser Gefühl zu verlassen. Sie können uns aber auch sehr negativ beeinflussen.


Arten von Gewohnheiten

Man kann zwischen drei verschiedenen Gewohnheitsarten unterscheiden: Den mentalen Gewohnheiten, den emotionalen Gewohnheiten und den physischen Gewohnheiten, sprich Handlungsgewohnheiten.


Mentale Gewohnheiten

Zu den mentalen Gewohnheiten zählen alle Gedanken, die täglich wiederholt in unserem Gehirn herum schwirren. Meistens denken wir jeden Tag dasselbe. Wir wachen auf und mindestens 80 % unserer Gedanken sind die gleichen, wie die kurz vor dem Einschlafen. Gerade Überzeugungen über uns selbst, andere Menschen und die Welt basieren aus nichts anderem als Gewohnheiten. Doch dazu mehr in einem der nächsten Artikel. 😉


Emotionale Gewohnheiten

Auch Gefühle sowie Emotionen basieren auf Gewohnheiten. Sie sind nichts anderes als die Reaktion unseres Körpers auf unsere Gedanken und werden somit als Folge unserer Denkgewohnheiten wiederholt ausgelöst. Wenn wir einen negativen Gedanken haben, so löst das eine entsprechend negative Emotion aus. Genauso ist es auch andersrum. Wenn wir positive Gedanken haben, so erleben wir daraufhin positive Gefühle.


Physische Gewohnheiten (Handlungsgewohnheiten)

Alle Handlungen, die wir wiederholt ausführen zählen wir zu den physischen Gewohnheiten. Diese sind dir sicherlich am meisten vertraut, bzw. am meisten bewusst. Ob es das tägliche Zähneputzen ist, das Schnürsenkelbinden, das Fahrradfahren oder das Zubereiten deines Lieblingsgerichts. So gut wie alle unserer täglichen Tätigkeiten sind Gewohnheiten.


Wie entstehen Gewohnheiten?

Gewohnheiten entstehen durch Wiederholung. Sie sind wie ein Muskel, der durch wiederholte Ausführung gestärkt wird.

Man kann sich eine Gewohnheit auch wie ein sich drehender Kreis vorstellen, da der Ablauf immer wieder von neuem beginnt. Dieser Ablauf besteht im Wesentlichen aus 3 Schritten:

Schritt 1: Der Auslöser (innerer oder äußerer Reiz, der die Gewohnheit auslöst)

Schritt 2: Die Gewohnheit (Die eigentliche Gewohnheit in Form von Gedanken,
Emotionen oder Handlungen)

Schritt 3: Die Belohnung (Die Motivation / Treibstoff hinter der Gewohnheit)

Nehmen wir als Beispiel das Kochen deiner Lieblingsmahlzeit. Der Appetit nach leckerem Essen ist dabei der Reiz, der die Gewohnheit auslöst. Die Tätigkeit des Zubereitens ist die Gewohnheit. Und der leckere Geschmack ist die Belohnung.






Gewohnheiten ändern

Ändern wir unsere Gewohnheiten, so ändern wir unsere ganze Persönlichkeit, denn wir sind nichts anderes als die Summe unserer Gewohnheiten. Doch dies ist nicht immer ganz leicht und nicht einfach über Nacht möglich. Es benötigt eine gewisse Zeit sowie Geduld, um Gewohnheiten nachhaltig zu verändern.

In den folgenden zwei Abschnitten verrate ich dir nun, wie es dir mit Leichtigkeit gelingt, schlechte Gewohnheiten loszuwerden und neue Erfolgsgewohnheiten in dein Leben zu implementieren.


Schlechte Gewohnheiten loswerden.

Die meisten negativen Gewohnheiten haben sich über Jahre unbewusst eingeschlichen. Meistens führen wir diese aus, ohne uns darüber wirklich bewusst zu sein dass sie uns eigentlich nur schaden und uns von unseren Zielen abhalten.

Beispiele dafür sind: Ablenkung beim Lernen oder produktiven Arbeiten, Denken an Essen, Rumspielen mit den Händen, Dinge aufschieben, mehrere Dinge versuchen gleichzeitig zu tun, ungesunde Ernährung, „ähm“ sagen beim Nachdenken, … .


5 Schritte

Mit den folgenden 5 Schritten kannst du jede negative Gewohnheit ein für allemal loswerden.

Schritt 1: Zu aller erst ist natürlich wichtig dir der entsprechenden Gewohnheit bewusst zu werden, die du loshaben möchtest. Beobachte wann sie gehäuft auftritt und durch was sie ausgelöst wird.

Schritt 2: Nimm dir bewusst das Ziel vor, die Gewohnheit loszuwerden. Besonders wirksam ist es wenn du es dir aufschreibst und dir mental vorstellst, wie es sich anfühlt nicht mehr in diese Gewohnheit zu fallen.

Schritt 3: Gestehe dir ein, was du dir mit dieser Gewohnheit antust, wieso dir diese Gewohnheit nicht gut tut und welche Auswirkungen sie auf dein Leben hat.

Schritt 4: Projektiere die Gewohnheit in die Zukunft. Wie wirkt sie sich auf deine Zukunft, auf dein ganzes Leben aus?

Schritt 5: Werde dir der steigenden Spannung zwischen deiner Handlung und deinem gesetzten Ziel bewusst. Dir wird auffallen, dass irgendwann das innerliche Ankämpfen zu groß wird und es sich viel besser anfühlt nicht mehr in die Gewohnheit zu verfallen.


Neue positive Gewohnheiten in dein Leben implementieren

Genauso wie du negative Gewohnheiten loswerden kannst, kannst du auch neue positive in dein Leben implementieren. Gewohnheiten, die für dich arbeiten und dich ganz automatisch in Richtung deiner Ziele bringen ohne von dir jegliche Willenskraft abzuverlangen.

Beispiele für solche „Erfolgsgewohnheiten“ sind: Frühes Aufstehen, kaltes Duschen, Tagebuch führen, positive Affirmationen, Meditation, Sport, Lesen, gesunde Ernährung, das Erlernen einer neuen Fähigkeit, … .


Die 30-Tage-Challenge

Bestimmt hast du schon einmal vom Konzept der 30-Tage-Challange gehört, bei dem du dir nur für 30 Tage vornimmst jeden Tag deine gewünschte Gewohnheit auszuführen. Wieso 30 Tage? Es heißt, es benötige etwa 30 Tage um eine neue Gewohnheit zu kreieren. Ursprünglich kommt das Konzept aus der Marketing Branche, von der „30 Tage Geld zurück Garantie“. Man möchte den Käufer so sehr an sein Produkt gewöhnen, dass er nicht mehr darauf verzichten kann.

Wichtig bei der 30-Tage-Challange ist es auch darauf zu achten, dass du dir nur eine Gewohnheit pro Monat vornimmst, damit du dich nicht überforderst. Ansonsten wird es wesentlich schwieriger sein die Challenge auch wirklich durchzustehen.


Habit Tracker nutzen

Sehr hilfreich und motivierend ist es wenn du dir zu deiner Challenge einen Habit Tracker (Habit = Gewohnheit) anlegst, mit dem du deinen täglichen Erfolg protokollierst. Dazu kannst du dir auf einem Blatt Papier für jeden Tag ein Kästchen malen, in das du dann ein Kreuzten machen darfst sobald du die Gewohnheit ausgeführt hast. Hänge dir deinen Habit Tracker am besten an einen Ort an dem du automatisch regelmäßig drauf schaust, wie zum Beispiel über deinen Schreibtisch, so dass du immer wieder daran erinnerst wirst.

Du kannst dazu auch eine App auf deinem Smartphone benutzen, die dich regelmäßig an deine Gewohnheit erinnert. Ich persönlich nutze dafür die „Momentum-App“.


Gewohnheit an einen festen Zeitpunkt binden

Am besten ist es, wenn du deine neue Gewohnheit an einen festen Zeitpunkt des Tages einbindest oder noch besser an eine bereits vorhandene Gewohnheit anknüpfst. So dass du sie nicht vergisst und nicht ständig aufs Neue darüber nachdenken musst, wann du die gewünschte Gewohnheit nun ausführst.

Wenn du dir beispielsweise vornimmst tägliches Lesen zur Gewohnheit zu machen, kannst du dir vornehmen immer direkt nach dem Frühstück eine halbe Stunde zu lesen. Oder wenn du anfangen möchtest Tagebuch zu schreiben, kannst du dass immer direkt nach dem Duschen machen, das du ja bereits jeden Tag machst.


Das Model der Gewohnheitskurve

Um es dir noch einfacher zu machen die 30 Tage durchzuhalten, möchte ich dir mit Hilfe des Models der Gewohnheitskurve zeigen welche vier psychologischen Phasen du während dieser Zeit durchläufst. Alleine das Wissen über die Existenz dieser vier Phasen wird dir einen enormen Vorteil verschaffen neue Erfolgsgewohnheiten in dein Leben zu implementieren.

Phase 1: Die Ablehnphase. Hierbei verspürst du noch eine innere Ablehnung gegenüber der neuen Tätigkeit, da dein Körper sie noch nicht wirklich kennt.

Phase 2: Die Widerstandsphase. Der Widerstand verstärkt sich mit der Zeit und es wird noch schwieriger, die noch frische Gewohnheit täglich durchzuführen.

Phase 3: Die Akklimatisierungsphase. So langsam etabliert sich die Gewohnheit, der Widerstand lässt nach und es fühlt sich für deinen Körper natürlicher an.

Phase 4: Die Phase des negativen inneren Widerstandes. In deinem Gehirn wurde ein neutrales Netz zu deiner Gewohnheit installiert. Sie ist nun fest in dir verankert und es würde sich für dich schlecht anfühlen, wenn du sie nicht machen würdest.

 




Fazit

Ich finde es enorm faszinierend, dass wir eigentlich aus nichts anderem als unsere Gewohnheiten bestehen. Alle Gedanken, Gefühle und Handlungen sind ja nichts anderes als Gewohnheiten, die irgendwann einmal in unserem Leben entstanden sind. Sie formen unseren Charakter, unser ganzes Leben und somit unser Schicksal. Aus diesem Grund ist es so enorm wertvoll ein Bewusstsein über sie zu erlangen und zu wissen, wie man sie verändern kann.

Nun hast du eine ganze Menge über Gewohnheiten erfahren. Ich hoffe dir hat der Artikel gefallen und du konntest eine Menge daraus mitnehmen um die Kontrolle über deine Gewohnheiten zu erlangen.

Schreibe doch mal in die Kommentare, welche Gewohnheiten du noch gerne in deinem Leben implementieren möchtest.

Ich freue mich von dir zu hören!

Dein Simon



Literatur:
https://www.youtube.com/watch?v=baqQSIfbc74
http://lexikon.stangl.eu/6140/gewohnheit/
http://www.flowfinder.de/wie-gewohnheiten-funktionieren/
Ein neues Ich – Dr. Joe Dispenza
Gewohnheiten durchbrechen – Mirko Thurm

By |2018-01-25T06:36:11+01:00Dezember 26th, 2017|Kognitive Fähigkeiten (Blog)|2 Comments

2 Comments

  1. Christa 28. Dezember 2017 at 07:23 - Reply

    Lieber Simon auch diesen Bericht finde ich wieder sehr spannend. Besonders interessant finde ich den letzten Teil über die erst mal negativen Gefühle und die Abwehr gegen das Erlernen von neuen Gewohnheiten. Das kommt mir doch bekannt vor. 😉
    Ob der Mensch nur aus seinen erlernten Gewohnheiten besteht ist letztlich eine spannende philosophische Frage. Es ist sicherlich ein komplexes Zusammenspiel aber vielleicht doch auch mehr. G.l.G. an Dich

    • Simon Langewald 16. Januar 2018 at 13:27 - Reply

      Liebe Christa! 😃
      Vielen lieben Dank für deine tollen Worte! 🙏🏼 😊
      Ich finde das Thema ebenfalls sooo enorm spannend!
      Ganz liebe Grüße ❤️

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